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Die Gründung der Pax-Bank eG

„Ein verhältnismäßig weitgehendes Darlehnsbedürfnis…“

 

Köln, Erster Weltkrieg. Pfarrer Peter Limberg (1857-1944), Vorsitzender des PAX-Vereins, einem Selbsthilfeverein für katholische Priester, schrieb am 15. Juni 1916 an die deutschen Bischöfe: Die nunmehr 10-jährige Tätigkeit des Vereins habe gezeigt, dass im Klerus „ein verhältnismäßig weitgehendes Darlehnsbedürfnis bestehe“1. Diesem Bedürfnis lasse sich am ehesten durch die Gründung einer standeseigenen Kreditgenossenschaft nachkommen. Als bedeutende Standesvereinigung sei der PAX-Verein der geeignete Partner für die Gründung einer solchen Bank. Es sei die ureigene Aufgabe des PAX-Vereins, dem Klerus auch in Notlagen zur Seite zu stehen.

 

Hilfe zur Selbsthilfe war schon der Antrieb bei der Gründung des PAX-Vereins im Jahr 1905. Eine Mitgliedschaft bei der Genossenschaftsbank sollten ausschließlich Mitglieder des PAX-Vereins erwerben können. Neben dem Darlehnsgeschäft sollte die Bank Spareinlagen von Klerikern entgegennehmen, zudem im Nebenbetrieb die Prämien von Lebens-, Kranken-, Haftpflicht- oder Feuerversicherungen, welche die Geistlichen über den PAX-Verein abschließen konnten, verwalten.

 

Bereits bevor Limberg seinen Brief – der eher dem Business-Plan eines heutigen Existenzgründers glich – verfasste, diskutierte die Fuldarer Bischofskonferenz 1916 Limbergs Idee. Gerade Felix Kardinal von Hartmann (1851-1919), seit 1912 Erzbischof von Köln, unterstützte die Pläne. Eine eigene Kreditgenossenschaft würde die Geistlichen vor Wucher schützen und auch würde Geistlichen die Erniedrigung erspart bleiben, bei Privatleuten um ein Darlehn zu bitten. Gegen die Gründung sprach allerdings das Dekret von Papst Pius X. vom 18. November 1910, wonach Geistlichen die Teilnahme an Geldgeschäften untersagt war.

 

Schreiben des Bischöflichen Generalvikariats Osnabrück an Kaplan Peter Limberg. Quelle: RWWA 154-2-40.

 

Am 18. Oktober 1917 fand im Bürgerverein zu Cöln schließlich die Gründungversammlung der Pax Spar- und Darlehnskasse eGmbH statt. An die Spitze des Vorstands wurde der Generalsekretär des PAX-Vereins, Joseph Cuypers, gewählt, sein Stellvertreter war ebenfalls im Vorstand des PAX-Vereins. Limberg selbst wurde der erste Aufsichtsratsvorsitzende der Bank. Am Ende des Gründungsjahres hatte die Genossenschaftsbank 53 Mitglieder mit 126 Geschäftsanteilen. Die Mitglieder kamen nicht nur aus dem Rheinland, sondern auch aus anderen Teilen Preußens, aus Bayern, Schlesien und Sachsen.

 

Übrigens: Die Pax-Bank ist gemeinsam mit der LIGA-Bank die älteste Kirchenbank in Deutschland. Die Regensburger LIGA-Bank, mit der die Pax-Bank seit Ende der 1980er Jahre im Fonds-Geschäft zusammenarbeitet, wurde im selben Jahr gegründet.

Quellen / Literatur:
Eyll, Klara van: Pax-Bank 1917-1992. 75 Jahre im Dienst von Kirche und Caritas, Köln 1992.

 

1. Zitiert nach Eyll, Klara van: Pax-Bank 1917-1992. 75 Jahre im Dienst von Kirche und Caritas, Köln 1992, S. 7.

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