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FinanzVerbund

„Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele.“ Auf diesem Gedanken basiert das genossenschaftliche Geschäftsmodell bis heute.1 Dieser Gedanke umfasst aber nicht nur, dass sich Menschen zusammentun und eine Genossenschaft gründen, oder dieser beitreten. Dieser Gedanke steht auch dafür, dass Genossenschaftsverbände und Zentralkassen (heute DZ Bank) – später dann auch andere Partner, wie die Bausparkasse Schwäbisch Hall (1931 in Köln gegründet), die R+V-Versicherung (gegründet 1922/1932), Union Investment (gegründet 1956) – Aufgaben und Leistungsangebote für die Genossenschaften übernehmen, mit denen jede Genossenschaftsbank als Universalbank vor Ort in der Region wettbewerbsfähig ist.

 

Die Entwicklung hin zum FinanzVerbund, wie wir ihn heute kennen, ist bis in die 1970er Jahre noch stark geprägt von regionalen Entwicklungen und der Trennung gewerblicher Genossenschaftsbanken und ihren Organisationen und den ländlichen Genossenschaften.

 

Die Pax-Spar- und Darlehnskasse, wie die Pax-Bank eG bis 1967 firmierte, trat im Dezember 1917, also unmittelbar nach ihrer Gründung, dem Verband rheinischer Genossenschaften e.V. (Köln) bei, der nicht nur die zwei-jährliche Revision der Pax-Spar- und Darlehnskasse übernahm, sondern vielfältig mit „Rat und Tat“ unterstützte, etwa mit Mustersatzungen und Formularen, die den rechtlichen Anforderungen entsprach, und vieles mehr.

 

Der Verband rheinischer Genossenschaften e.V. (gegründet 16. Juni 1891 in Neuss) war eng mit der katholischen Bauernvereins-Bewegung verbunden.2 Schon vor der Gründung der Pax-Spar- und Darlehnskasse hatte Kaplan Peter Limberg Verbindung zum Verband, und über dessen Kreditverein Darlehn für Priester besorgt.

 

Der Verband rheinischer Genossenschaften e.V. orientierte sich stark an den genossenschaftlichen Prinzipien Friedrich Wilhelm Raiffeisens (1818-1888). Raiffeisens Konzept umfasste die Prinzipien Selbsthilfe und solidarische Haftung. Er propagierte den kleinen auf ein Kirchspiel begrenzten Geschäftsbezirk sowie den Verzicht auf Eintrittsgelder, Geschäftsanteile und Dividenden. Alle Genossenschaften sollten ehrenamtlich verwaltet werden, einen Stiftungsfonds aufbauen und Ausleihfristen bis zu maximal zehn Jahren, und vor allem möglichst an die Leistungsfähigkeit des Darlehnsnehmers angepasst, gewähren.3

 

Da dieses Konzept gut zu den Ansichten der Vertreter des Rheinischen Bauernvereins passte und man hier nach Lösungen für die ländliche „Kreditnot“ suchte, gründete der Bauernverein einen eigenen Genossenschaftsverband und grenzte sich damit gegenüber Raiffeisens Anwaltschaft in Neuwied und dem Neuwieder Zentralismus ab. Der Verband rheinischer Genossenschaften e.V. gehörte dem Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften e.V. als Dachverband an. Diesen hatte Wilhelm Hass (1839-1913) gegründet, einer der großen deutschen Genossenschaftsgründer, der neben Hermann Schulze-Delitzsch (1808-1883) und Raiffeisen heute leider oft vergessen wird.

 

Typisch war die enge Verbindung zwischen Verband und Zentralkasse – manchmal bildete eine Institution beide Funktionen ab, meist jedoch gründeten die Regionalverbände eigene Zentralkassen. So auch der Verband in Köln. Die Pax-Spar- und Darlehnskasse schloss nach ihrem Beitritt zum Verband auch einen Vertrag mit der Rheinischen Bauern-Genossenschaftskasse eGmbH in Köln ab. Durch diverse Fusionen im Rheinland (zunächst 1924 mit einer Zentralkasse in Bonn), später durch die Fusion mit der westfälischen Zentralkasse und dann 1970 dem Zusammenschluss mit den gewerblichen Genossenschaftsbanken ging die Kölner Zentralkasse in der  WGZ Bank auf und gehört heute zu den Wurzeln der DZ Bank. Die Pax Bank eG feiert demnach auch 100 Jahre Partnerschaft mit DZ Bank und Prüfungsverband (heute Genossenschaftsverband–Verband der Regionen e.V.).

 

 

Quellen / Literatur:

 

  • Koch, Walter: Der Genossenschaftsgedanke F. W. Raiffeisens als Kooperationsmodell in der modernen Industriegesellschaft, Paderborn/Würzburg 1991.
  • Schlütz, Frauke: Wilhelm Haas. In: Sozialreformer, Modernisierer und Bankmanager. Biographische Skizzen aus der Geschichte des Kreditgenossenschaftswesens. Hg. v. Institut für Bankhistorische Forschung e.V. im Auftrag der DZ BANK AG, München 2016, S. 191-212.
  • Dies.: Ländlicher Kredit. Kreditgenossenschaften in der Rheinprovinz (1889-1914) (Schriftenreihe des Instituts für bankhistorische Forschung 25), Stuttgart 2013.

 

 

1. https://www.vr.de/privatkunden/was-wir-anders-machen/genossenschaftsbank.html.

2. Erster Verbandsvorsteher war der katholische Jurist, Politiker und Bauernvereinspräsident Felix Freiherr von Loë (1825-1896; seit 1877 päpstlicher Graf). Von Loë gehörte 1871 zu den Gründern der katholischen Zentrums-Partei und stand dem rheinischen Katholizismus sehr nahe. Auch gehörte er zu den Mitbegründern des Vereins deutscher Katholiken (Mainzer Verein), dessen Vorsitzender er zeitweise war, und er war an der Gründung des Zentralkomitees der deutschen Katholikentage beteiligt. Siehe Martin Schumacher: Art. Felix von Loë. In: Neue deutsche Biographie, Bd.: 15, Locherer – Maltza(h)n, Berlin, 1987, Onlineversion unter http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016333/images/index.html?seite=29.

3. Raiffeisen, Friedrich Wilhelm: ,Die Darlehnskassen-Vereine als Mittel zur Abhilfe der Noth der ländlichen Bevölkerung, sowie auch der städtischen Handwerker und Arbeiter, Nachdruck, 8. Auflage Neuwied 1966; Koch, Walter: Der Genossenschaftsgedanke F. W. Raiffeisens als Kooperationsmodell in der modernen Industriegesellschaft, Paderborn/Würzburg 1991, Kap. 5.

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