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Krisenzeiten

1923, 1931, 2008

Schon allein die Gründung einer Kreditgenossenschaft inmitten des Ersten Weltkrieges wirkt außergewöhnlich. Bei viele Kreditgenossenschaften – um 1914 es gab ca. 1.500 gewerbliche Kreditgenossenschaften (Volksbanken) und rund 14.000 ländliche Spar- und Darlehnskassen in Deutschland – war das Kreditgeschäft nahezu zum Erliegen gekommen.1 Am 9. November 1918 endete der Krieg. Schon während des Krieges war eine Geldentwertung spürbar, positive Einlagenzuwächse aber erfreut zur Kenntnis genommen worden. Die Bilanzsumme belief sich 1920 noch auf 990.085 Mark stieg mit der wachsenden Inflationsrate auf 11.486.020 Mark im Jahr 1922. Nach zunächst steigenden Gewinnzahlen sank der Reingewinn 1922 auf 91 Mark – Gehälter und Verwaltungskosten waren erheblich gestiegen. 2

Die Inflation spiegelte sich also auch in den Ergebnissen der Pax-Spar- und Darlehnskasse. Vor allem im Bankgewerbe (aber auch in Lohnbuchhaltungen und überall , wo man Waren oder Mieten zahlte) bedeutete die Inflation eine erhebliche Mehrarbeit.3 Das Tempo der Geldentwertung sorgte gerade auch bei den Großbanken für viel zusätzliche Arbeit an den Schaltern, aber auch bei der Notgeld-Emission. Die vorhandenen Rechenmaschinen konnten die immer größer werdenden Zahlen während der Hyperinflation 1923 gar nicht mehr erfassen. Eine Folge der Geldentwertung war die ‚Flucht in die Sachwerte‘.

Anfang der 1920er Jahre gelang es der Pax-Spar- und Darlehnskasse trotz der schwierigen Rahmenbedingungen weitere Leistungen einzuführen. Seit 1921 übernahm die Bank auch Effekten- und Depotgeschäfte. Allein sieben „reisende Pax-Sekretäre“4 kümmerten sich um das Versicherungsgeschäft der Bank, das bereits seit der Gründung eine wichtige Rolle spielte. 1922 wurde der Pax-Spar- und Darlehnskasse eGmbH die „technische Geschäftsführung“5 der Umzugskasse für das Erzbistum Köln übertragen.

Nachdem die kriegs- und inflationsbedingten Schwierigkeiten überwunden waren, die Goldmarkteröffnungsbilanz erstellt war (die bei den meisten Kreditgenossenschaften erheblich Kapital vernichtete), entwickelte sich die Geschäftstätigkeit gut. 1925 gingen so viele Darlehensanträge ein, dass nicht einmal 20 Prozent der Anträge bewilligt werden konnten. In der Pax-Korrespondenz (Mitglieder-Zeitschrift des PAX-Vereins) warb die Geschäftsführung dafür, unbedingt wieder Spareinlagen bei der Pax-Spar- und Darlehnskasse zu tätigen, damit die Kasse möglichst bald weitere Darlehnswünsche erfüllen konnte.

Die Konsolidierung des Genossenschaftswesens geriet ab 1929 ins Schwanken. Der Konkurs der Nordwolle im Sommer 1931 brachte das deutsche Finanzsystem schließlich richtig ins Straucheln. Die Pax-Spar- und Darlehnskasse überstand die Bankenkrise – anderes als die Großbanken – gut. Trotz eines Einlagenrückganges litten die Liquidität und Rentabilität nicht.6 Im Revisionsbericht, den der Verband rheinischer landwirtschaftlicher Genossenschaften e.V. (Köln) ausgestellt hatte,7 wurde die „‘kluge und besonnene Leitung‘“8 der Bank während der Krise gewürdigt: Die Bank konnte „‘eine geradezu glänzende und im Bereiche unserer Organisation wohl einzig dastehende Zahlungsbereitschaft aufrecht‘“9 erhalten.

Die jüngste Finanz- und Wirtschaftskrise wurde durch ein gefährliches, undurchsichtiges Spiel auf „Basis steigender Immobilienpreise, hoher Liquidität, niedriger Zinsen und einer scheinbar problemlosen Verschuldung“ ausgelöst, das über viele Jahre „erstaunlich gut“10  funktionierte und durch neue Bonifikationssysteme weiter angeheizt wurde. 2008 brachen die ersten US-amerikanischen Banken zusammen. Die Insolvenz des Bankhauses Lehman Brothers (gegründet 1850) im Herbst 2008 brachte dann „schlagartig die ganze Reichweite des Desasters“11 zum Vorschein. Die Verweigerung der Liquiditätshilfe für das Bankhaus durch die Fed (am 15. September 2008) führte nicht nur zur Pleite des Bankhauses sondern auch zum Kollaps der Interbankenmärkte und einer tiefen Vertrauenskrise im Finanzsektor.12 Die vielfach vertretende Formel „Too-big-to-fail“ war damit keine Garantie mehr. Es kam zu dramatischen Kurseinbrüchen an den Börsen. Viele Fonds der Pax-Bank erwiesen sich als krisenfest: Der LIGA-Pax-K-Union konnte der Krise mit 4,97 Prozent und der LIGA-Pax-Rent-Union mit einem Zuwachs von 8,52 Prozent (Werte für 2008) trotzen. Auch der LIGA-Pax-Aktien-Union, LIGA-Pax-Cattolico-Union und der Rentenfonds LIGA-Pax-K-Union begegneten den Auswirkungen der Subprime-Krise mit Zuwächsen.13 Die Rentenfonds LIGA-Pax-Rent-Union und LIGA-Pax-Corporates-Union sowie der Mischfonds LIGA-Pax-Balance-Stiftungsfonds-Union mussten jedoch Einbußen hinnehmen. Mit ihrer bisherigen Geschäftspolitik konnte die Pax-Bank weitestgehend sicher durch diese Krisenzeit steuern, zumal die Finanzkrise u. a. zu einem gestiegenen Interesse an den Geldanlagen führte, die auf ethischen und christlichen Werten basierten.14

1. Vielerorts hatte der gewerbliche Mittelstand volle Auftragsbücher durch Aufträge der Herresverwaltung und damit keinen Bedarf; viele Geschäfte wurden bar bezahlt; und da, wo Landwirte oder Handwerker vielleicht gerne investiert hätten, fehlten Material und Arbeitskräfte. Auch waren nicht selten Rendanten und Gremienmitglieder zum Kriegsdienst einberufen. Siehe auch Bormann, Patrick/Scholtyseck, Joachim/Wixforth, Harald: Die kreditgenossenschaftlichen Zentralinstitute vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur bedingungslosen Kapitulation des NS-Staats (1914-1945). In: Die Geschichte der DZ BANK. Das genossenschaftliche Zentralbankwesen vom 19. Jahrhundert bis heute, hg. vom Institut für bankhistorische Forschung e.V., München 2013, S. 145-294, hier S. 152.

2. Eyll, Klara van: Pax-Bank 1917-1992. 75 Jahre im Dienst von Kirche und Caritas, Köln 1992, S. 25/26.

3. Thamm, Imke: Der Anspruch auf das Glück des Tüchtigen. Beruf, Organisation und Selbstverständnis der Bankangestellten in der Weimarer Republik (Beiträge zur Unternehmensgeschichte 24), Stuttgart 2006, bes. Kap. 3.1.

4. Zitiert nach Eyll, Klara van: Pax-Bank 1917-1992. 75 Jahre im Dienst von Kirche und Caritas, Köln 1992, S. 25.

5. Ebd., S. 29.

6. Chronologie der Ereignisse bei Bernd Rudolph: Hintergründe und Verlauf der internationalen Finanzkrise 2008. In: Bähr, Johannes/Rudolph, Bernd: 1931-2008 Finanzkrisen, München/Zürich 2011, S. 145-241, hier S. 216-218.

7. So hieß der Verband rheinischer Genossenschaften e.V. nach der Fusion mit dem Verband rheinpreußischer landwirtschaftlicher Genossenschaften e.V. in Bonn. Zur Fusion 1924 siehe Schlütz, Frauke: Ländlicher Kredit. Kreditgenossenschaften in der Rheinprovinz (1889-1914) (Schriftenreihe des Instituts für bankhistorische Forschung 25), Stuttgart 2013, S. 178.

8. Zitiert nach Eyll, Klara van: Pax-Bank 1917-1992. 75 Jahre im Dienst von Kirche und Caritas, Köln 1992, S. 38.

9. Zitiert nach ebd.

10. Plumpe, Werner: Wirtschaftskrisen. Geschichte und Gegenwart, 2. Auflage München 2011, S. 111.

11. Ebd.

12. Rudolph, Bernd: Hintergründe und Verlauf der internationalen Finanzkrise 2008. In: Bähr, Johannes/Rudolph, Bernd: 1931-2008 Finanzkrisen, München/Zürich 2011, S. 145-241, hier S. 194-196.

13. Chronologie der Ereignisse ebd., S. 216-218.

14. Geschäftsbericht der Pax-Bank eG, 2008, S. 24.

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